Die Diagnose – Teil 1

…oder auch: „Am Anfang war das Kribbeln…“

197hsfr (Kar)Freitag, 18. April 2014 197hsba

Als ich morgens zwischen 8 und 9 Uhr erwachte, fiel mir sofort etwas auf, was nicht ganz stimmte: meine linke Hand war irgendwie komisch. Es fühlte sich an wie eine Mischung aus eingeschlafen und taub. Außerdem war da so ein leichtes Kribbeln. Zunächst dachte ich mir nicht sonderlich viel dabei. Ich ging einfach davon aus, dass sich wieder Nerven im Schulter- und Nackenbereich verklemmt hatten, weshalb eben diese Einschlaferscheinung da ist. So kreiste ich also ein paar mal vor und zurück mit den Schultern und hoffte auf Besserung.

Im Laufe des Mittags gesellte sich mein linker Unterarm zu dieser eingeschlafenen Kribbelkiste dazu. Ich ging immer noch von einem Wirbelsäulenproblem aus. Ähnliches hatte ich zwei Wochen zuvor schon einmal, allerdings war das noch sehr harmlos. Das Kribbeln nahm zu, konnte aber noch ignoriert werden.

Gegen Nachmittag und Abend zog dieses sonderbare Gefühl bis in den Oberarm und die Schulter, machte sich teils auch im Bein, besonders im Oberschenkel bemerkbar. Langsam wurde ich sehr stutzig. Meine Tante redete mir alle Horrorbedenken aus und ich blieb vorerst noch ruhig, wenn auch nur bedingt. Ich sollte vielleicht erwähnen, dass meine Mutter im April 2008 einen Schlaganfall erlitten hat, der mit einer Halbseitenlähmung begonnen hatte. Da sie weit unter 60 zu dem Zeitpunkt war, bin ich natürlich indirekt als Verwandter ersten Grades mitgefährdet.
In der Nacht bekam ich es immer mehr mit der Angst zu tun. Mir war teilweise richtig extrem schlecht diesbezüglich. Meine Hand fühlte sich immer merkwürdiger an und das Tippen am Laptop wurde auch immer schwerer. Mittlerweile war das Kribbeln unerträglich und der gesamte Arm fühlte sich vollkommen taub an. Ihn zu bewegen war zwar noch möglich, aber es fühlte sich einfach nur extrem ekelhaft an dank des stetigen Kribbelns…

 

197hsfr Samstag, 19. April 2014 197hsba

Gegen 8:45 Uhr ließ ich mich von meinem Wecker aus dem Bett werfen. Mittlerweile zog sich das Taubschläfrigkeitskribbelgefühl nicht nur durch meinen gesamten linken Arm und mein gesamtes linkes Bein, nein, mittlerweile fühlte sich meine linke Seite von der Brust über den Bauch bis runter zum Becken auch Taub an. Gleiches galt für meine linke Gesichtshälfte, die linke Halsseite und den linken Teil meines Hinterkopfs. Ich war schockiert, hatte panische Angst. Kurzerhand zog ich mich an und flitzte zum GDZ in Rostock Lütten-Klein1 um den dortigen Notfallarzt zu konsultieren . meine Hausärztin hat am Wochenende nämlich leider zu und der Arzt meiner Mutter auch.

So gegen 9:20 Uhr stand ich dann also bei besagtem Notfallarzt, der wirklich mehr als inkompetent und wie ein Fachidiot wirkte, als wie ein wirklich geschulter und vertrauenswürdiger Onkel Doktor. Ich schilderte ihm was los war, nachdem ich dies bereits seiner Rezeptionistin bei der Anmeldung schon sagen musste. Ich bekam nur die Frage, warum ich nicht schon gestern kam und einen ziemlich dämlichen Blick. Kurz darauf legte er mir eine Butterfly-Kanüle2, um mir Kochsalzlösung zu verpassen und ließ einen Krankenwagen rufen mit den Worten „Frau K., Sie müssen sofort ins Krankenhaus.“ Es wurden noch schnell mein Blutdruck und meine Temperatur gemessen und wenig später wurde ich den beiden Herren vom Rettungswagen übergeben, die mich in die Nervenklinik nach Rostock Gehlsdorf3 brachten.

Die wirkten beide im Übrigen weitaus kompetenter und hatten auch definitiv mehr Ahnung von dem, was sie da gerade taten. Wir fuhren ohne Blaulicht, aber dennoch recht flink durch die Stadt. Während der Fahrt wurde noch diverse persönliche Daten aufgenommen und meine Krankenkassenkarte eingesammelt. Ich wurde zu Krankheitsfällen in der Familie befragt, sowie zu meinen eigenen Erkrankungen. Ich sagte ihnen alles, was sie wissen wollten. Ich erwähnte den Schlaganfall meiner Mutter, meine Depressionen, dass ich diesbezüglich in Behanldung bin und auch meinen Autounfall von 2001, bei dem ich gerade so mit einem doppelten Schädelbasisbruch davonkam und der eventuell auch an meinen chronsichen Kopfschmerzen schuld sein könnte.

In der Nervenklinik wurde ich in der Notaufnahme abgegeben, wo mir gesagt wurde, dass der ganze Spaß eventuell 6 Stunden oder länger dauern könnte. Es war zwischen 10 und 11 Uhr. Mir war’s egal, ob es dauern würde, ich hatte Zeit und noch die Hoffnung am Nachmittag wieder nachhause zu können. Wie gesagt, noch.

Zuerst wurde mir Blut abgezapft, dann erneut mein Blutdruck gemessen und anschließend ein EKG erstellt. Nebenbei kamen wieder die typischen Fragen nach Gewicht, Größe, Alter, Schwangerschaft, Rauchen, etc… sowie den Familienkrankheiten und meinen Krakengeschichten. Danach hieß es erst einmal warten bis ich anschließend ins MRT kam, wo mein Kopf durchgescannt wurde. Ich lag ungefähr 15 bis 20 Minuten in dem Ding, was mehr als unangenehm war aufgrund der Lautstärke. Man bekommt zwar Kopfhörer zum Ohrenschutz auf, aber das bringt wenig, wenn man wie ich geräuschempfindlich ist. Ich habe immer wieder langsam im Geiste bis 100 gezählt. Bei 6 durchläufen wusste ich zumindest, dass jetzt ungefähr 10 Minuten um sein dürften. Es hat mir geholfen, das ganze etwas besser zu ertragen. Allerdings bestand gern die Gefahr, dass ich schneller zählte als Sekundne wirklich vergingen. Anyway…

Gegen 12 Uhr saß ich immer noch im Wartebereich der Notaufnahme der Nervenklinik, als mich der dortige Arzt zu sich rief und mir unter vier Augen etwas mitteilen wollte. Er sagte mir, dass es so aussieht, als hätte ich wohl oder übel einen kleinen Schlaganfall gehabt. Man sei sich noch nicht komplett sicher, ob es wirklich einer sei, aber man konnte es noch nicht ganz ausschließen. Und ich sollte erst einmal auf Station bleiben.

BÄMM! Schock Nummer 1 stand mir ins Gesicht geschrieben. Ich hatte wirklich Angst gehabt, dass es das sein würde und dann sagte er auch noch zu mir, dass es einer war. Ich war vollkommen durch mit den Nerven, auch wenn man mir das nicht direkt ansah. Ich habe mich wirklich zusammengerissen, um nicht komplett in Tränen auszubrechen, als ich wieder im Wartebereich saß.

Gegen 13 Uhr wurde ich von zwei Stationsschwestern abgeholt und auf die Station N2 gebracht, auf welcher sich drei Räume der sogenannten Stroke Unit befinden. Ich wurde in Zimmer 1 untergebracht und an die Langzeitgeräte angeklemmt – EKG, Puls/Sauerstoffsättigung, Blutdruck. Tja. Da saß ich nun ohne großartiges Gepäck, da ich nicht erwartet hatte, dass ich im Krankenhaus landen würde – geschweigedenn für einen längeren Zeitraum. Ich bekam von der Klinik zwar die lustigen Nachthemden gestellt, sowie Unterhosen (die mehr als Pampers für Erwachsene erinnern…) und Waschzeug, aber dennoch wäre es wohl klüger gewesen, wenn ich bei meinen Kurznachrichten an meine Verwandtschaft und Freunde erwähnt hätte, man solle gleich meinen kompletten Klamottenschrank mitbringen und nicht nur ein paar Socken und Höschen…

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Tja, soviel erst einmal zum ersten Teil meines noch sehr langen Krankenhausaufenthaltes im April…
Ich habe mich dazu entschlossen, das ganze lieber auf mehrere Beiträge aufzuteilen. Ansonsten wird das Ding immer länger und länger und länger…. und ich selbst verliere sonst auch die Übersicht, besonders was die nachfolgenden Anmerkungen angeht. Die sind vielleicht nicht für jeden besonders interessant, für manche aber eventuell schon.

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197hsre Anmerkungen 197hsli

1 Das Kürzel GDZ steht für „Gesundheitszentrum“. Manche nennen es auch einfach „Ärztehaus Lütten-Klein“. Dort gibt es verschiedene Stationen und Kliniken. Ich war im November 2011 beispielsweise mal zu einer MRT-Untersuchung dort in der Radiologie. Die Tagesklinik für Depressionskranke und Borderlinepatienten befindet sich ebenfalls in diesem Gebäude.
Die Website des GDZ findet ihr hier.
Der dortige Notfallarzt befindet sich übrigens, wenn man von der Straßenbahnhaltestelle Lütten Klein Zentrum aus losgeht, „hinten“ im GDZ-Gebäude, direkt gegenüber vom Parkhaus. Man rennt einfach nach rechts um das Gebäude herum und findet ziemlich schnell die Praxis.

2 Eine Butterfly-Kanüle ist eine Kanüle, die eigentlich für die Blutabnahme gedacht ist. Sie kann auch zur Flüssigkeitstherapie benutzt werden. Es wäre allerdings zu dem Zeitpunkt, zu dem sie mir verpasst wurde, nicht nötig gewesen, sie zu setzen.
Die Butterfly-Kanüle oder auch Flügelkanüle genannt heißt so, weil sie zwei „Flügelchen“ an der feinen Nadel besitzt, um bei einer Blutentnahme nicht zu verrutschen.
(dazugehöriger Wikiartikel mit Bild)

3 Rostock Gehlsdorf besitzt einen riesigen Klinikkomplex für den Bereich Neurologie. Meistens wird das ganze nur „Klinikum Gehlsheim“, Zentrum für Nervenheilkunde oder kurz „Nervenklinik“ genannt. Man findet hier auf den Stationen so ziemlich alles, was neurologische Fälle betrifft: Alzheimer, Schlaganfälle, geschlossene und offene Psychiatrie, Multiple Sklerose, Psychologische Beratung, etc.
Gehlsdorf befindet sich am östlichen Ufer der Warnow, welche sich durch Rostock schlängelt. Die Klinik selber lässt sich mit den Buslinien 15 und 45 erreichen. Die Haltestelle Gehlheim Klinik (auf manchen Plänen auch Klinikum Gehlsheim) liegt fast direkt vor der Tür.

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